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Westfälische Rundschau im Hochsauerlandkreis vom 6.11.2009
Seelsorger möchten hauptamtliche Stelle

Die Polizeiseelsorger Michael Hossfeld (l.) und Hans-Joachim Bexkens wollen hauptamtlich werden. Foto: Privat Hochsauerlandkreis. (ole)

Manchmal dauert es bis zu fünf Stunden. Bis Fragen gestellt werden. Bis Tränen fließen. So viel Zeit haben Polizeibeamte allerdings nicht, wenn sie Todesnachrichten überbringen. Oftmals kommen sie daher in Begleitung von Notfallseelsorgern. Die jetzt noch Ehrenamtlichen können sich vor Arbeit aber kaum retten. Sie wollen hauptamtlich werden.

„Wir sind froh, dass es hier im Hochsauerlandkreis diese Unterstützung für uns gibt", sagt Georg Mohr von der Deutschen Polizei-Gewerkschaft im Deutschen Beamten-Bund. Auf Anregung des damaligen Landrats Franz-Josef Leikop waren die Notfallseelsorger im Jahr 2002 berufen worden. Hans Joachim Bexkens kümmert sich um das östliche Hochsauerland, Michael Hossfeld um das westliche. Beide sind ehrenamtlich, haben einen Hauptberuf - und stoßen an ihre Grenzen.

So kamen sie zuletzt auf 1400 Einsatzstunden - mit 196 hatte es seinerzeit begonnen. „Und es gibt nun einmal zu wenig Leute, die bereit sind, sich rund um die Uhr alarmieren zu lassen." Wenn es beispielsweise nachts um 2 Uhr zum Einsatz geht, „dann", sagt Michael Hossfeld, „komme ich vielleicht erst morgens um 6 Uhr wieder nach Hause." Und danach geht es zur Arbeit, in die Hauptschule nach Sundern . . .
Obwohl Kreis und Kommunen die Arbeit der Seelsorger schätzen, sieht es angesichts leerer Kassen mit der finanziellen Unterstützung schlecht aus. 50 000 Euro pro Jahr, so der Plan, würden im Etat reichen, um zumindest mit zwei halben Stelle voll einsteigen zu können. Bexkens und Hossfeld, die einen Förderverein gegründet haben und sich gerade kostenlos professionell beraten lassen, setzen auf Spender.

Sie hoffen zum einen auf spontane Zuwendungen, auf regelmäßige Unterstützer beispielsweise im Förderverein und vor allem auf Großspender zum Beispiel von Unternehmen. Erste Zusagen gibt es. Und auch Ideen für Gegenleistungen: Auch wenn jeder Hilfe bekommt, so versprechen sie Unternehmen, die als Spender auftreten, Schulungen und Präventionen, einen Hotline-Zugang und im Unglücksfall ein Eingreifen innerhalb von 60 Minuten.

Das kann sich auch finanziell auszahlen. Bei einer Explosion bei der Firma Perstorp in Arnsberg im Jahr 2006 waren die Seelsorger im Einsatz. „Da hat gezeigt, wie wichtig es ist, eine Soforthilfe für Firmenleitung, Mitarbeiter und die betroffenen Familien zu gewährleisten. So war es möglich, einen Krankenstand von null Prozent zu erreichen."
Psychische Erste Hilfe
Bexkens und Hossfeld leisten psychische Erste Hilfe. „Wir bleiben bei Ihnen, bis der Sturm vorüber ist", versprechen sie Betroffenen, Angehörigen und Einsatzkräften. Die beiden Diakone haben eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen. Sie sind Polizeiseelsorger und Fachberater Seelsorge bei der Feuerwehr. Ihre Botschaft: „Die Zukunft für Menschen in Unglückssituationen oder traumatischen Ereignissen geht uns alle an."

Infos: www.ps-hilfe.de oder bei Michael Hossfeld unter 0175 / 4065 688.

     Soester  Anzeiger            Artikel vom 06. Dezember 2006 

Der seelische Beistand ist notwendig Diakon Hossfeld berichtete vor Sieveringer Senioren über "Psycho-Sozialen Hilfe" Polizeiseelsorger betreut auch die Beamten, den Rettungsdienst und die Feuerwehr

SIEVERINGEN ·
Alle Plätze waren besetzt beim Seniorennachmittag der Kirchengemeinde Heilig Geist Bilme in der Sieveringer Schützenhalle. Pfarrer Josef Dohmann stimmte die Gäste auf den gemütlichen Nachmittag ein. Nach dem Kaffeetrinken referierte dann Diakon Michael Hossfeld aus Echthausen von der "Psycho-Sozialen Hilfe im HSK e.V." über seine ehrenamtliche Arbeit in der Notfallseelsorge.

Unter dem Credo "Den Menschen helfen" schilderte der Referent eindrucksvoll, wie wichtig seelischer Beistand in Notfällen ist. Ob beim plötzlichen Kindstod oder nach Unfällen - die Betreuung der Opfer und Hinterbliebenen sei notwendig. "Dazu gehört aber auch die Betreuung der Polizeibeamten, des Rettungsdienstes und den Einsatzkräften der Feuerwehr", so der auch für Ense zuständige Polizeiseelsorger und Fachberater für die Feuerwehr.

Mit einem Geschenk bedankte sich Lucia Busemann im Namen des Pfarrgemeinderates für den informativen Vortrag. Informationen über die "Psycho-Soziale Hilfe gibt es im Internet unter http://www.ps-hilfe.de · hr

 

19.11.2006

„Schlimm, wenn es Kinder trifft“

Kreis. (daholz)
Michael Hossfeld aus Arnsberg engagiert sich ehrenamtlich für die Psycho-Soziale Hilfe im HSK. Als Seelsorger ist er bei besonders schweren Einsätzen von Polizei und Feuerwehr mit Verletzten oder Toten für die Betroffenen oder die Angehörigen da. Rund 460 Stunden Einsatz leistete der Ehemann und dreifache Vater bereits. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag ist der 41-Jährige in Bereitschaft. Mit dem SAUERLANDKURIER sprach er über die Schwierigkeiten seiner Arbeit.SAUERLANDKURIER: Wie sind Sie zu dieser Tätigkeit gekommen?
Michael Hossfeld: Ich habe die Ausbildung als Diakon gemacht und wurde von der Wickeder Feuerwehr gefragt, ob ich nicht dort den Fachberater Seelsorger der Feuerwehr machen möchte. Darauf folgte ein schwerwiegender Einsatz, bei dem ich sofort vor Ort war, wodurch auch die Polizei meine Arbeit kennen gelernt hat.
SK: Was sagt Ihre Familie, wenn Sie so viele Stunden investieren?
Hossfeld: Als ich angefangen habe, war meine Frau absolut dafür, weil sie mitbekommen hat, wofür ich das mache. Sie hält es für richtig. So etwas muss von der Familie mitgetragen werden, es geht gar nicht anders.
SK: Wie genau läuft ein Einsatz für Sie ab?
Hossfeld: Ich werde erstmal von der Polizei oder der Feuerwehr bei einem schweren Einsatz alarmiert. Dann begebe ich mich sofort zur Einsatzstelle. Es kommt dann auf den Einsatz an, um wen ich mich primär kümmere. Wer es am nötigsten hat, genießt Priorität. Ich habe aber teilweise auch klare Anweisungen der Polizei. Vor Ort erfolgen intensive Gespräche, Begleitungen oder Abschiedsnahmen.SK: Wie lange beschäftigen Sie sich mit den Betroffenen oder Angehörigen?
Hossfeld: Ich beschäftige mich mit der Person, solange sie es braucht und verlasse ihn erst, wenn wir nicht mehr benötigt werden und die betreffende Person seine Lebenssituation wieder im Griff hat.
Distanz zu den Ereignissen wichtig
SK: Wie schwierig ist es, bei Ihrer Tätigkeit die Distanz zu den Ereignissen zu wahren?
Hossfeld: Man muss es schaffen, eine Distanz aufzubauen, um nicht betroffen zu sein. Es hat mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, was man aushält. Ich kann sehr gut Distanz zu den Ereignissen schaffen. Das ist meine Begabung.
SK: Welche Einsätze beschäftigen Sie trotzdem lange?
Hossfeld: Es gibt Einsätze, die durch ihren Verlauf schwierig und auch schwierig zu verarbeiten sind. Das Schlimmste ist immer, wenn Kinder mittelbar oder unmittelbar betroffen sind. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich selber Familienvater bin.
SK: Wie empfinden die Betroffenen Ihr Engagement?
Hossfeld: Grundsätzlich immer sehr positiv. Es war in den letzten vier Jahren kein Einsatz dabei, wo ich eine Familie verlassen habe, die nicht sehr dankbar für die Hilfe gewesen wäre.
SK: Wie ausgelastet sind Sie?
Hossfeld: Sehr. Das zeitliche Limit, was machbar ist, ist erreicht. Wir versuchen, Sponsoren zu finden und wir hoffen auf Menschen, die uns finanziell fördern, um ein bis zwei feste Stellen einrichten zu können. Jeder, der dazu beitragen kann, ist jederzeit willkommen. Für die Zukunft, wenn man das, auch mit der stetig steigenden Zahl der Einsätze, fortführen möchte, ist eine feste Stelle dringend nötig.
Wer die Psycho-Soziale Hilfe unterstützen möchte, kann auf das Sparkassenkonto, Konto-Nummer 16949, BLZ 41651770, sowie das Volksbankkonto, Konto-Nummer 5180888600, BLZ 46062817, spenden, sich über http://www.ps-hilfe.de oder direkt bei Michael Hossfeld, Tel. 02377/3903, melden.

Michael Hossfeld hat in diesem Jahr schon 460 Stunden für die Psycho-Soziale Hilfe im HSK geleistet. Foto: Daniel Holzer